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Die Geschichte des Islams umfasst nun mehr als vierzehn Jahrhunderte der Weltgeschichte. Sicherlich wird eine kurze Einführung wie diese nicht annähernd ausreichen, die gesamte Geschichte des Islams wiederzugeben, sie soll nur einige Orientierungspunkte bieten.
Am Ende dieser Ausführung werden Hinweise zur weiterführenden deutschsprachigen Literatur gegeben, der sich Interessierte bedienen können.

Die rechtgeleiteten Kalifen

Im Jahre 632 schied der Prophet Muhammad aus dem Leben. Er hinterließ nicht nur eine Religion mit mehreren hunderttausend Anhängern, die von der Lehre des Islam durchdrungen waren, sondern auch einen Staat, der aus dem nichts entstanden war, aber nun über die ganze arabische Halbinsel herrschte.

Nach seinem Tod wurde sein engster Freund und Vertrauter Abu Bakr zu seinem Nachfolger gewählt. Zu dieser Zeit war der Staat von Medina schon im Kriegszustand mit den damaligen zwei Weltmächten Byzanz und Iran. Ein muslimischer Gesandter war auf byzantinischem Boden ermordet worden. Der Kaiser hatte, statt den Schaden wiedergutzumachen, es vorgezogen, den Muslimen eine Armee entgegenzuschicken.

Im Iran waren seit Jahren blutige Auseinandersetzungen zwischen der Zentralregierung und den arabischen Kolonien im Gange, nachdem einige der Stämme in den Kolonien den Islam annahmen, wuchs das Problem zu einem internationalen Konflikt.

Schnell waren die byzantinischen und iranischen Gebiete in Palästina, Syrien Iran und Irak muslimisch, denn die Sympathie des Volkes galt den Muslimen. Dazu sagt der niederländische Islamwissenschaftler De Goeje in seinem Buch "Memoire sur la conquete de la Syrie": "Tatsächlich war die Stimmung in Syrien sehr günstig für die Araber, und sie haben dies verdient; denn die Milde, mit der sie die Besiegten behandelten, stand in starkem Gegensatz zu der armseligen Willkürherrschaft/Tyrannei der vorhergehenden (byzantinischen) Herrscher". Eines der prägsamsten Vorfälle aus dieser Zeit ist wohl der Auszug der Muslime aus der Stadt Hims. Vor dem Auszug wurden aber alle eingezogenen Steuern wieder an das ausschließlich nicht-muslimische Volk zurückgegeben, "denn wenn man ihnen keinen Schutz gewähren könne, habe man auch kein Anrecht auf Abgaben".

Zu Zeiten Omars (634-644) herrschten die Muslime von Tripolis (Libyen) bis Balkh (Afghanistan) und von Armenien bis Gudschrat (Indien) und Sind (Pakistan). Unter seinem Nachfolger Osman (644-656) regierten sie bereits in Nubien und hatten einen Teil Andalusiens (Spanien) erobert. Im Osten war der Oxus schon überschritten und einige chinesische Provinzen erreicht worden.

Knapp fünfzehn Jahre nach dem Tod des Propheten herrschten die Muslime schon über ein Reich von der Größe Europas. Das Überraschende aber war, dass die muslimischen Armeen in keinem einzigen Fall die Bevölkerung als solche bekämpften, der Islam verbreitete sich keineswegs mit "Feuer und Schwert", sondern dank seiner Anziehungskraft als Religion und Zivilisation. Die Menschen liefen scharenweise zu den Muslimen über. Auch die Spaltung der Muslime im Jahre 656 in Sunniten, Schiiten und Kharidschiten konnte die immens schnelle Verbreitung des Islam nicht aufhalten.

Die Geschichte macht es jedoch deutlich, dass die Legende von den fanatischen Muslimen, die durch die Welt stürmen und dem Islam die Charakterzüge des Schwertes über die eroberten Rassen aufzwingen, die launischste und absurdeste Erfindung ist, die die Geschichtsschreiber je weiter verbreitet haben.
(De Lacy O'Leary, Islam at the Crossroads, London, 1923, S.8)  

Die Umayyaden

Beim Tode des dritten Kalifen Osman brach in der muslimischen Welt ein Nachfolgekrieg aus, der in den nächsten 20 Jahren immer wieder aufflammte. Nach dem Regierungsantritt Abdulmaliks (685-705) war die Regierung wieder gefestigt. In relativ kurzer Zeit wurde Marokko, Spanien, Nord-Indien und Turkmenistan muslimisch. Die Hauptstadt wurde von Medina nach Damaskus verlegt. Das Verlegen des Regierungssitzes hatte wohl auch zur Folge, dass die religiöse Glut schwächer, der Hang zum Weltlichen aber immer stärker wurde. Luxus und Verschwendung und auch Vetternwirtschaft breitete sich stark aus.

Die Erfolge beschränkten sich aber nicht nur auf den militärischen Bereich, auch auf sozialer und geistiger Ebene gab es einen großen Aufschwung. Besonders fruchtbar war die kurze Regierung des Omar ibn Abdulaziz (717-720), der durch seine Frömmigkeit die Zeit von Omar und Abu Bakr aufleben ließ. Unter seiner Herrschaft gedeihte die Wissenschaft in besonderem Maße, so dass es eine große Anzahl von Gelehrten gab, die auch in späteren Zeiten richtungsweisend waren.
Aus dieser Zeit zeugen noch einige wichtige Baudenkmäler, wie z.B. der Felsendom in Jerusalem (erbaut 691).

Die Abbasiden

Im Jahre 750 stiegen die Abbasiden zur Macht auf. Gleichzeitig vollzog sich die erste Spaltung des Reiches, da in Cordoba (Spanien) ein Gegenkalifat errichtet wurde, das bis in das Jahr 1492 bestand. Die Abbasiden verlegten die Hauptstadt von Damaskus nach Bagdad. Besondere Eroberungen während der Zeit der Abbasiden gab es kaum. Die Abbasiden führten auch zum ersten Mal an die Stelle der Volksarmee ein Söldnerheer ein, das hauptsächlich aus Türken bestand. Dies führte dazu, dass ein Lehnswesen entstand, die zu weitestgehender Unabhängigkeit der Provinzen führte. Die abbasidischen Kalifen verloren mehr und mehr ihre Souveränität, sodass sie nach einem Jahrhundert Herrschaft nur noch über ihren Palast herrschten. Sie hatten ihre Macht an die Statthalter, die Emire in den Provinzen verloren und waren schließlich nur dem Namen nach Staatsoberhaupt.

Unter den Abbasiden wurde nach Sizilien auch ein großer Teil von Süditalien erobert. Auch die Kreuzzüge fallen in ihre Regierungszeit. Im 13. Jahrhundert fielen die Mongolen in die islamischen Länder ein und zerstörten im Jahre 1258 die Hauptstadt Bagdad. Dies führte unter anderem auch zu einem weitgehenden Erliegen der Wissenschaften in den ost-islamischen Gebieten, während Andalusien davon wenig berührt wurde. Die Zerstörung der Hauptstadt führte dazu, dass das abbasidische Kalifat vollends zerfiel.

Das andalusische Kalifat

Nachdem die Abbasiden im Osten das Kalifat übernahmen, sagte sich das andalusische Reich von diesen ab und gründete in Spanien einen unabhängigen Staat. Dies bestand bis 1492, bis ihre letzten Spuren von der Inquisition der kastillischen Herrscher weggewischt wurden. In ihrer über 800 Jahre dauernden Regierungszeit machten die andalusischen Herrscher Spanien zu einem Hort des Wohlstands und der Wissenschaft. Scharen von nicht-muslimischen Studenten wurden von den muslimischen Universitäten in Andalusien angezogen, an denen Muslime, Christen und Juden gemeinsam Lehrstühle hatten. Bis zur Inquisition konnten diese Gruppen ohne Probleme zusammenleben. Als diese Ausbrach, hatten die Muslime und Juden die Wahl vor der grausamen Ermordung auf spanischem Boden oder die Auswanderung auf andere islamische Gebiete. Nicht alle hatten die Chance, den zweiten Weg zu wählen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang war auch, dass die andalusischen Juden es weiterhin vorzogen, unter muslimischer Herrschaft weiterzuleben und deswegen in andere islamische Gebiete auswanderten (Tunesien, Osmanisches Reich usw.)

Seldschuken und Osmanen

Im 11. Jahrhundert traten erstmals die Seldschuken auf, die sehr bald Mittel- und Kleinasien unterworfen hatten. Als Hauptstadt hatten sie Konya gewählt. Ab dem Ende des 13.Jahrhunderts (1299) wurden sie von den Osmanen abgelöst. Diese überschritten dann als erste den Bosporus und eroberten schließlich 1453 Konstantinopel (Istanbul) und belagerten zweimal die kaiserliche Hauptstadt Wien (1529, 1683). Im 16.Jahrhundert reichte das Reich von Österreich in Europa bis nach Algerien und Tschad in Nordafrika, von Georgien in Asien bis zum Jemen. Danach begann aber auch der Abstieg dieses Reiches, bis vom alten Osmanischen Reich nur noch das Gebiet der heutigen Türkei übrig blieb.

Weiterführende deutschsprachige Literatur